Rhetorische Fähigkeiten auf dem Video-Prüfstand

Stipendiaten der Bosch-Jugendhilfe zum Präsentationstraining an der Akademie Bad Boll

Dass unsere Körpersprache wirkt, unsere Stimme Emotionen transportiert und der Mensch erst einmal schaut und hört, um zu verstehen, das ist ein alter Hut. Trotzdem verlieren wir regelmäßig diese Erkenntnis mehr oder weniger aus den Augen, wenn wir vor einer Gruppe referieren.

Das wollten 38 junge Studierende der Bosch-Jugendhilfe aus dem gesamten Bundesgebiet ändern und reisten für drei Tage für ein Präsentationstraining vom 16. bis 18. April zum 4. Stipendiatentreffen ins schwäbische Bad Boll am Fuße der Alb. Den Auftakt machte Dr. Uwe Schirmer, Direktor bei der Robert Bosch GmbH und zuständig für Personalgrundsatzfragen, mit einem Vortrag zum Leitbild des Unternehmens.

Sein Tenor: den Worten Taten folgen lassen. Bei Bosch kann das Leitbild in konkrete Handlungsmuster umgesetzt werden. Das Unternehmen ist, trotz schwieriger Zeiten, dem sozial geprägten Wertebild des Firmengründers Robert Bosch treu geblieben. Grundlage für diese anspruchsvolle Unternehmenskultur ist aber der nachhaltige Erfolg am Weltmarkt in allen Geschäftsbereichen. Unabhängigkeit steht dabei ganz oben und die erreicht das Unternehmen nur mit dem erfolgreichen schwäbischen Verständnis von nachhaltiger und wertebasierter Wirtschaftlichkeit. Viel Applaus am Ende seines einstündigen Vortrags und Gelegenheit für die Teilnehmer, Fragen zu stellen.

Mit Video- und Tonbeispielen führten die Trainer Ingo Straten, Lina Spera und Andreas Rieck moderierend und dozierend ins Arbeitswochenende in Sachen Rhetorik und Präsentation ein, bevor es am zweiten Tag in kleinen Gruppen an das individuelle Training ging. Körpersprachliches Wirken, Auftreten, Stimmeinsatz und bildhaftes Sprechen wurden in spielerischer und realitätsnaher Form thematisiert. Mit viel Praxis und anwendbarer Theorie versuchten sich die Stipendiaten in einer abschließenden fünfminütigen Meinungsrede, die vom Videoauge überwacht wurde.

Ein umfassendes Feedback aus der Gruppe und vom Trainer fand in der Videoanalyse am dritten Tag seinen Höhepunkt. Denn vieles, was wir als Rückmeldung bekommen, finden wir zwar interessant, doch den echten Motivationsschub zur Veränderung erreicht erst das Studium der bewegten Bilder. So war auch in Bad Boll die Videoanalyse aus der Lernperspektive gesehen das effektivste Moment der ganzen Veranstaltung.

Viele der Stipendiaten wohnen und studieren in der Nähe von Bosch-Standorten. Diese Konzentration wollte die Bosch-Jugendhilfe an diesem Wochenende nutzen, um Benefiz-Projekte für die karitative Initiative Primavera aus der Taufe zu heben. Verteilt nach Süd-, Mittel- und Norddeutschland fanden sich die Stipendiaten in Gruppen zusammen und vereinbarten erste Schritte für eine Aktion, die möglichst viele Spenden für die sozialen Projekte von Primavera abwerfen soll. Vorrangig dabei freilich das Prinzip der Machbarkeit. Denn allzu ehrgeizige Vorhaben scheitern, wenn man teils weit voneinander entfernt wohnt. Wir sind gespannt, was bis zum nächsten Treffen im April 2011 umgesetzt werden konnte.

Ein willkommener und gewünschter Nebeneffekt der Stipendiatentreffen ist die Begegnung untereinander. Die Bosch-Jugendhilfe bekommt nicht nur ein, sondern viele Gesichter und taucht aus der Anonymität auf, wenn die jungen Menschen Stipendiaten entdecken, die ähnliche Fächer studieren, gemeinsame Interessen haben und nicht selten den gleichen Humor. So wurde viel gelacht, spannend erzählt und es wurden reichlich berufliche sowie ganz private Tipps zum erfolgreichen Werdegang ausgetauscht. Rundum eine gelungene Veranstaltung, die federführend von Marion Oertel-Nau, zuständig für die Bosch-Jugendhilfe, geleitet wurde. Wer alle drei Module des Bildungsprogramms – Rhetorik, Bewerbung und Interkulturalität – besucht hat, scheidet leider aus dem Kreis der Eingeladenen aus, unabhängig davon, ob er noch in der Förderung ist. Einige hat es getroffen und mit einer Träne im Knopfloch gab es Applaus als Geschenk und Dankeschön. Das Feedback der Teilnehmer zur Veranstaltung, zum Programm und zu den Trainer waren großartig.

Der Termin für das nächste Stipendiatentreffen zum Thema Assessment & Bewerbung steht bereits fest: vom 15. bis zum 17. April 2011 lädt die Bosch-Jugendhilfe wieder an die Evangelische Akademie Bad Boll ein.

Ingo Straten

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Artikel zum 4. Stipendiatentreffen im doc Format.
Impressionen vom 4. Stipendiatentreffen